Sonntag, 7. September 2008

Im Laufe eines Jahres

Der letzte Geburtstag in Heiligendamm. Sich im Spa geschämt für den eigenen Körper, und nur in die Damensauna, wenn sonst keiner da. Trotzdem gut gegessen. Champagner und Fisch. Sich vorgenommen, im nächsten Jahr schlanker wiederzukehren.

Den Geburtstag gefeiert, ein paar Wochen später. Mit Freunden angestoßen auf ein großartiges Jahr. Am nächsten Morgen in der Küche gestanden, ein bisschen Salat vom Vortag, heißer Kaffee, dem leichten Schwindelgefühl der ersten Zigarette am Tag nachgespürt, und nachgedacht, was eigentlich fehlt, und nichts gefunden. Ein bisschen traurig gewesen.

Circa vier- bis fünfmal die Woche aus gewesen, fast das ganze Jahr, weil das der optimale Schnitt ist, um sich wohl zu fühlen und trotzdem genug zu schlafen. Mindestens fünfzig Besuche im LassunsFreundebleiben. Mindestens zwanzig im Visite ma tente. Mindestens 15 im 103. Überall hingegangen, wo was los ist, und zu diversen Anlässen, wo nichts los war, auch. Täglich mindestens eine Mahlzeit außer Haus. Meistens gut gegessen. Das schlechteste Essen des Jahres in einer nordrhein-westfälischen Kantine bekommen, ein paniertes stinkendes Schnitzel, und dann kommt gleich der schreckliche Speckknödel im Alten Zollhaus in Kreuzberg. Meistens nur einmal die Woche gekocht, leider, Samstags oder Sonntags, und fast immer die C. und die J. zu Besuch. Zu selten im Theater, kaum in der Oper. Gelangweilt in Galerien.

Am besten im Paris Moskau und im Hartmanns gegessen, und am zweitbesten im E.T.A. Hoffmann und im Grill Royal. Es wieder nicht ins Margaux geschafft, nicht im Ma Tim Raue gewesen und das Fischers Fritz erneut um ein Jahr verschoben. Drei bis fünf Mal eingeladen gewesen, ansonsten immer selbst gezahlt. Mehrfach von Freunden bekocht worden und sich warm und wohl gefühlt.

Viel zu viel gearbeitet. Gearbeitet im letzten Herbst, bis morgens um drei die Buchstaben auf dem Bildschirm ineinander verflossen, und es Mühe kostete, sie zusammenziehen und Worte zu bilden. Im Saldo hunderte von Stunden telefoniert. Weitergemacht, bis die Welt vor lauter Müdigkeit zu flackern begann, seltsam leicht und egal wurde, und sich ein bisschen erschreckt, weil sich das ziemlich gut anfühlt. Sehr wenig über mich nachgedacht und festgestellt, dass man nicht schlechter lebt dabei. Auf dem Höhepunkt der Arbeitsbelastung nicht einmal mehr Hunger gehabt. Jeden Abend ein Hamburger vom Burgermeister am Schlesischen Tor. Ich hätte alles gegessen, sogar Hundefutter oder so, und wäre nichts dagewesen: Ich hätte es auch nicht gemerkt. Oktober, November 2007. Seither wieder runter auf die üblichen 60 Stunden. Immer behauptet, nicht ehrgeizig zu sein, und nun doch festgestellt, dass das nicht stimmt.

Fast jeden Morgen den Kater gekrault, und am Abend meistens die Katze. Sich manchmal gewünscht, wie der Kater herumgetragen zu werden. Den Kopf an einer warmen Brust. Manchmal glücklich gewesen, oft zufrieden, und ab und zu den J. angeschaut und sich einfach gefreut.

Leider kaum neue Freunde kennen gelernt, und manche alte Freunde zu selten gesehen. Das ganze Jahr in niemanden verliebt gewesen, nicht einmal so ein bisschen „was wäre, wenn“. Gleichzeitig ein ganzes Jahr niemand aufgetaucht, der sich in mich verliebt hätte. Kein Versuch, mich zu küssen, weil es wohl so langsam zu Ende geht mit meinen guten Jahren. Ab und zu bedauert, nie schön gewesen zu sein und manchmal gehofft, dass es keiner merkt. Viel Zeug gekauft, vor allem Taschen, Schuhe und Kleider, und festgestellt, dass das nichts bringt bei mir. Die Einkäufe trotzdem fortgesetzt.

Zu viel beruflich und zu wenig zum Spaß gereist. Fertig promoviert. Meine Eltern zu selten gesehen, aber wenn, war es schön. Selten krank gewesen, und nie beim Arzt. Alle sechs Wochen mein Fahrrad reparieren lassen. Fast einen Couchtisch gekauft. Beschlossen, umzuziehen, das aber noch nicht in die Tat umgesetzt. Vorgestern Urlaub gebucht, morgen in aller Frühe zum Hauptbahnhof, und Mittwoch dann mit der J. und vielleicht mit der C. irgendwo sitzen, die Gläser heben auf ein neues Lebensjahr, vom Glück sprechen, dass man sich erhofft, und sich fragen, ob das das Glück vielleicht schon ist, und mehr nicht vorgesehen, für mich, hier und heute.

Sonntag, 31. August 2008

Sein und Bewusstsein

Man sagt, schon seit geraumer Zeit hätten die Herren Marx und Hegel ihre bekannten Streitigkeiten beigelegt, und zwar habe der Herr Professor Hegel auf voller Linie gesiegt. In Erfüllung einer alten Wette habe der Herr Marx auf einen der wackeligen Marmortische des Café Europa steigen und angelegentlich dieser Dialektik, von der man jetzt soviel hört, zugeben müssen, dass der Materialismus ein Quark, und das Bewusstsein der Leute die ganz und gar entscheidende Größe für eigentlich alles sei. Geklatscht und gejubelt hätten, sagt man so, die Gäste des Café Europa, die von den lästigen Streitereien weniger der beiden alten Herren als ihrer Claqueure schon reichlich angefressen gewesen seien, und insbesondere der Ober Alfred, ein schon recht runzliger Herr mit Fliege um den Hals und stets weißem Hemd über dem schwarzen Kragen sei so gerührt gewesen, dass ihm fast die Kaffeetassen heruntergepurzelt seien von seinem Tablett. Dies, so sagen sogar die ältesten anwesenden Gäste, passiere ansonsten eigentlich nie und deute so recht eigentlich das Epochale an der ganzen Sache an, wie ja das Kellnerwesen überhaupt das Verhältnis von Sein und Bewusstsein am besten auszudrücken in der Lage sei.

Hätten nämlich beispielsweise, so hört man diesbezüglich aus allbekannten Kreisen bisweilen nicht ganz ohne Schadenfreude, die Anhänger des Herrn Marx recht gehabt, so wären etwa, um ein ganz beliebiges und vollkommen beiläufiges Thema anzusprechen, die Berliner Kellner, geprägt von ihrem Kellnersein, auch etwa so wie der Ober Alfred. Ganz so wie dieser im Regelfall freundliche ältere Herr würden auch die Berliner Kellner hinter oder vor ihren Tresen stehen, die Blicke schweifen lassen über den Raum, und wenn einer etwas haben möchte, so kämen sie gelaufen.

So wie der Ober Alfred hätten dann zwar auch die Berliner Kellner ihre Vorlieben und Abneigungen. Auch würden sie – ganz wie der Herr Ober Alfred – längst nicht jeden mit Namen begrüßen und wären durchaus unterschiedlich freundlich. So wie aber etwa die Kellnerin aus dem Café *** am Helmholtzplatz, die annähernd bewegungslos, versonnen vor der Espressomaschine steht, Sonntag morgens um halb zwölf und den Mund zu einer demonstrativen Geste des Schmollens verzieht, ruft ein zunehmend hungriger Gast nach Bedienung, so sähe, bestimmte das Sein das Bewusstsein und nicht umgekehrt, niemand die Berliner Kellner mehr mit leeren Hände zwischen den Stühlen herumstehen, sorgfältig darauf bedacht, dem Blickkontakt mit potentiellen Kunden auszuweichen.

Dass – um im vorerwähnten Beispiel zu bleiben – das Roastbeef-Sandwich aus ist, hätte auch ein Ober Alfred vermelden müssen. Dass die Nüsse vom alternativ ausgewählten Gorgonzola-Sandwich nicht abgekratzt werden könnten, hätte ein zu wahrem Kellnertum reformierter Berliner Kellner vermutlich nicht mit derselben schnippischen Betonung mitgeteilt. Dass aber in irgendeiner anderen Galaxie die Bedienung mit einem zu Tode gekränkten Blick die Frage „Haben sie denn irgendwas anderes zu Essen?“, quittiert: Das ist unwahrscheinlich. Dass die nicht mehr vorhandenen Speisen auf der Kreidetafel neben dem Eingang einfach stehen bleiben – nun gut, die Kellnerin kann nicht gleichzeitig die Kaffeemaschine hypnotisieren und die Tafel ändern.

Hier aber, so sagen manche Damen und Herren, ist nicht schiere Unfähigkeit am Werk. Vielmehr belegt diese ganz und gar ungenügende Bedienung den Wahrheitsgehalt des Werks vom Herrn Professor Hegel: Die Kellnerin aus besagtem Café nämlich ist – wie dies den Berliner Kellner charakterisiert – eigentlich keine Kellnerin, sondern irgendetwas anderes, was gerade nicht klappt. Der Berliner Kellner identifiziert sich nun aber ganz und gar nicht mit seinem kellnernden Sein, sondern beansprucht die Identität mit einem nicht-kellnernden Bewusstsein. Sehr, sehr allergisch reagiert er darauf, hält auch nur die Außenwelt den Kellner an seiner Existenz statt an seiner Wunschvorstellung fest. Zwar mag es sein, dass aus dieser Wunschvorstellung eines Daseins als Maler, Architekt, Choreograph oder Model schon ziemlich lange und absehbar auch zukünftig nichts wird. Gleichwohl beansprucht der Berliner Kellner, als Maler in temporären Finanzproblemen behandelt zu werden, als the next big thing kurz vor dem Durchbruch, und ein leicht gereizter Ruf nach der Rechnung, vergeblich geäußert zum dritten Mal, wird schon deswegen nicht als Anlass vertragsgemäßer Dienstleistung angesehen, sondern als menschliche Rohheit, als Rücksichtslosigkeit gegenüber einem Mitmenschen, der doch Schonung, wenn nicht sogar Hochachtung verdient hätte für seine kreative Mission, oder zumindest zarteste Rücksichtnahme und Mitleid für einen Zeitgenossen, den widrige Umstände zu erniedrigender Erwerbstätigkeit zwingen.

Entsprechend ist dem Berliner Kellner egal, ob der Gast zufrieden oder überhaupt nur bedient wird. Die Reklamation dessen aber empört den Berliner Kellner. Behandelt der Gast den Berliner Kellner etwa wie einen richtigen, hundsordinären Kellner und nicht wie ein verkanntes Genie? Kann die dicke Frau vor der Tür nicht froh sein, überhaupt etwas zu trinken zu bekommen? Muss es auch noch der richtige Wein sein, und ist es nicht mächtig unentspannt, diesen auch noch innerhalb von dreißig Minuten einzufordern? – Empört steht der Berliner Kellner in solchen Situationen vor dem Gast und fordert mit wilden Blicken Respekt vor einer imaginären Lebensleistung ein. Hätte irgendjemand, so blitzen der Kellner Augen, Gerhard Richter um Kaffee geschickt? Fände es irgendjemand vorwerfbar, wenn Thomas Mann statt eines Streifens Nussbeugel ein Ochsenauge bringt?

Quod erat demonstrandum, behaupten die siegreichen Gäste des Café Europa und schütteln im Triumph des Idealismus hochragende Fahnen.

(Allerdings sei, flüstern manche Unbelehrbare an den schlechteren Tischen, das Bewusstsein der Berliner Kellner zwar mächtig genug, die Qualität ihrer Dienstleistung erheblich zu schmälern. Dass das schiere Bewusstsein einer künstlerischen Existenz die Berliner Kellner zur Verwirklichung der hierfür erforderlichen Leistungen befähige: So weit reiche es dann doch nicht mit der Macht der Ideen.)

Montag, 25. August 2008

Madame Modestes Bildungsreform (Ein Einwurf)

Recht gern lese ich, etwa in der Zeit oder so, ellenlange, sorgenschwere Artikel über das Schulsystem und freue mir ein Loch in den Bauch, dem Bildungswesen der Republik entkommen zu sein. Abgesehen von zwei Staatsexamina habe ich keine Schäden davongetragen, die nicht nach einigen Jahren wieder von selbst verschwunden wären. Denn tatsächlich verhält es sich doch so:

Schule ist schrecklich. Man wird mit lauter Leuten zusammengesperrt, von denen man mit rund zwei Dritteln freiwillig nie sprechen würde. Mit dem Rest wäre man auch so befreundet. In der Grundschule hat man vor den großen, dicken Kindern Angst, die schon einmal sitzengeblieben sind und den aufkeimenden Frust einer im Ansatz gescheiterten Bildungskarriere an denjenigen Sprösslingen auslassen, die Lesen und Schreiben können. Vor den fiesen Kindern versteckt man sich dann in der großen Pause auf der Mädchentoilette, zu dritt in der engen, stinkenden Kabine, während die künftigen Empfänger staatlicher Transferleistungen mit schmutzigen Fäusten gegen die Türen bollern. Im Gymnasium wird das dann deutlich besser, aber angenehm ist etwas anderes.

Die meisten Lehrer sind dumm. So gut wie niemand, der klug und schnell, elegant und witzig ist, findet Gefallen daran, vor einer Horde Minderjähriger zu stehen. Lehrer werden zumeist Menschen, die zu unsicher oder zu unfähig sind, sich in der Konfrontation auf Augenhöhe zu behaupten. Der Versuchung, nach Abschluss der Schule möglichst schnell wieder in selbige zurückzukehren, geben fast regelmäßig nur jene Leute nach, die – oft mit Recht – annehmen, in jedem anderen Lebensbereich vorhersehbar zu scheitern. Ich habe über 13 Jahre sehr, sehr wenige Lehrer getroffen, denen ich zugetraut hätte, auf einem anderen Spielfeld zu reussieren, und diese wenigen waren fast ausnahmslos Frauen der heute älteren Generation, die eine Generation später mit hoher Wahrscheinlichkeit einen anderen Beruf ausüben würden. Wer aus meinem Jahrgang Lehramt studiert hat, ist im Regelfall keine Persönlichkeit, die ein Kind inspirieren könnte.

So gut wie nichts, was man in der Schule erfährt, könnte man nicht auch woanders lernen. Lesen und Schreiben hat mir meine Mutter beigebracht. Fast alles, was ich über Literatur, Kunst, Musik oder Geschichte weiß, weiß ich aus Büchern. Den Rest habe ich zu Hause gelernt, am Esstisch im Gespräch oder an den Tischen anderer Familien, in Museen oder einfach so, im Vorübergehen. Über Naturwissenschaften weiß ich quasi nichts. Daran haben 13 Jahre nichts geändert.

Ansonsten: Mein gesamtes Sozialverhalten stammt von zu Hause. In der Schule hätte ich vielleicht lernen können, wie man auch mit Leuten umgeht, die man für beschränkt und grobschlächtig hält. Indes ist mir dies nie in einer Weise gelungen, die zu überzeugenden Ergebnissen geführt hätte. Wie man eine gute Freundin, eine angenehme Bekannte ist – das wird man in der Schule nicht lernen. Wer zur Freundschaft nicht begabt ist, wird diese Begabung nicht erwerben, nur weil er täglich Menschen trifft, mit denen er sich befreunden könnte.

Spricht damit nichts für, aber alles gegen die Schule, so stellt sich die Frage: Muss eigentlich dermaßen viel Geld ausgegeben werden für ein obsoletes System? Kann nicht jeder einfach so vor sich hin lernen? Reicht es nicht aus, jedes Jahr zentrale Prüfungen zu veranstalten, die jedes Kind absolvieren muss, und wer durchfällt, muss so lange schreiben, bis er besteht? Wieso erhält nicht jedes Elternpaar ein dickes Buch mit dem kompletten Curriculum und gute Tipps über Lehrmaterial, und kann dann sehen, wie es dies in sein Kind hineingebimst bekommt? Reicht es nicht aus, um auch komische Kinder komischer Leute nicht bildungstechnisch komplett verwahrlosen zu lassen, den Bezug etwa von staatlichen Sozialleistungen an das Bestehen der Prüfungen zu koppeln oder einen Idiotenaufschlag von 5% auf die Einkommensteuer zu erheben? Vielleicht werden dann sogar alle viel gebildeter als jetzt, derweil es ja nicht sehr gut zu funktionieren scheint mit dem flächendeckenden Erwerb von Wissen und Fähigkeiten?

Für die Leute aber, die gern zur Schule gehen, kann man ja pro Stadtteil einfach eine dieser Einrichtungen offen lassen. Für die Kinder, die allein nichts anzufangen wissen mit ihrer Zeit.

Sonntag, 24. August 2008

Ich. Dich niemals.

Sich verabschieden, auflegen, und dann vier, fünf, sechs Wochen lang an überhaupt nichts anderes denken. Morgens, noch während der Schlaf langsam schwindet, das Ende zu spüren wie ein heißes, stählernes Messer im Fleisch.

Nach vier Wochen erst die Sonne nicht mehr als schmerzhaft empfinden. Nach drei Monaten morgens erwachen und an irgendetwas denken wie versägte Klausuren oder den Zahnarzt. Nach vier Monaten wieder gefallen wollen, nach acht Monaten wieder gefallen. Nach einem Jahr wieder küssen.

Nach drei Jahren aufhören, jeden mit ihm zu vergleichen. Über ihn sprechen können, ohne dass der Magen sich zusammenzieht. Ab und zu ganz gern an ihn denken. Nach vier Jahren dann ihn einfach so am Flughafen sehen, am Gate von hinten mit einem schwarzen Aktenkoffer, und einfach weitergehen, sich nicht umdrehen, und nicht einmal im Traum – drei Wochen später – mehr sagen als „Hey. Du.

Ich. Dich niemals.“

Sonntag, 17. August 2008

Ein Liger für den Garten

Sehr gern, wenn es sich einrichten ließe, hätte ich auch einen Liger. In dieser Wohnung allerdings könnte ich keinen Liger halten, denn der Bewegungsdrang des Ligers überstiege meiner Wohnung Möglichkeiten, und allein ein ausreichend großzügiges Katzenklo, welches unerlässlich ist für die Haltung von Feliden, sprengte das vorhandene Raumangebot ganz und gar.

Sicherlich wäre ein Garten schön für den Liger. Gartenarbeit würde sich, nehme ich an, erübrigen, besäße ich das Tier. Einen Sandkasten würde ich aufstellen, vielleicht einen Teich graben lassen, und ein bisschen Rasen läge aus. Darauf würde der Liger sich wälzen und läge in der Sonne, vormittags etwa, oder schliefe unter den Büschen.

Unsicher bin ich mir, ob Liger klettern. Vielleicht, falls ja, läge er des Nachts auf den Ästen der Bäume und würde in die Nachtluft brüllen, wenn Liger brüllen, aber auch das weiß ich nicht genau. Bestimmt mag der Liger den Mond.

Da ich nicht viel zu Hause bin, würde ich einen zweiten Liger kaufen, damit der erste Liger sich nicht einsam fühlt. Der zweite Liger sollte eine Ligerin sein und zu zweit würden die Liger spielen, sich jagen, sich mit Tatzen hauen, wenn ihnen langweilig ist, und wenn sie schliefen, kuschelten sie sich eng zusammen, denn hier ist es kälter, stelle ich mir vor, als es Liger mögen.

Zu essen bekämen die Liger frisches Fleisch. Vielleicht würde ich bei einem Bauern Kühe abonnieren, jeden zweiten Tag eine Kuh, die lebendig gebracht würde, damit die Liger nicht erschlaffen, und von der Terrasse aus würde ich den Ligern beim Jagen zusehen. Wenn die Liger satt wären, müsste jemand kommen und die Reste der Kühe aufsammeln, denn die stelle ich mir übelriechend vor.

Grausam und blutrünstig wären die Liger zu Kühen. Sanft und anschmiegsam aber wären die Liger zu mir. Neben mir würden sie liegen und schnurren, wenn ich lese, und sich auf den Rücken legen und die Brust kraulen lassen. Die Liger würden kommen, wenn ich rufe, und wenn ich traurig wäre, würden sie mich trösten.

Theodor würde der eine Liger heißen. Und Maria der andere.

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